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Interpretation und Erläuterung der Schule "Canton"

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Giovanni Galiberto beschreibt in seinem 1650 veröffentlichtem Buch "Cavallo da Maneggio" die Schule "Del Cantone". In der ins Deutsche übersetzten Ausgabe von 1692 beschreibt Mathäum von Papenbach die Schule "Canton". Zusammenfassung Auf Grundlage der beiden Varianten erlaube ich mir folgende Zusammenfassung in moderner Sprache: Die Schule „Canton“ ist ein nützliches Ausbildungsmittel, denn sie erlaubt bei Schonung der Kräfte eine präzise Einwirkung auf das Pferd. Es gibt wenige, welche die Schule „Canton“ richtig ausführen können. Bei falscher Ausführung führt es häufig zu Verletzungen der Ellenbogen und der Knie an der Mauer. Das Erlernen der korrekten Hilfengebung ist somit notwendig, um ein vollkommener Reiter zu werden. Die Schule „Canton“ unterstützt die Ausbildung und fördert den Gehorsam des Pferdes. Sie kräftigt die Muskulatur des Pferdes und bringt es dazu, bei ruhiger Kopfhaltung den Hals zu wölben und im Maul leicht zu werden. Gleic...

Die Schule "Canton" aus "Cavallo da Maneggio" 1650

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Der vorherige Artikel des Blogs gibt das Kapitel über die Schule "Canton" aus dem Buch "Neugebahnter Tummelplatz" aus dem Jahre 1692 wieder. Bei einer Übersetzung sind neben den Sprachkenntnissen auch die fachliche Expertise des Autors für eine semantisch korrekte Wiedergabe von ausschlaggebender Bedeutung. Auch bei den besten Voraussetzungen sind zuweilen Interpretationen des Textes notwendig um den fachlichen Zusammenhang stimmig wieder zu geben. Ich habe deshalb meinen lieben Freund und Reitschüler Andrej,welcher des Alt-Italienischen mächtig ist, gebeten, das Kapitel "Del Cantone" aus dem Orginal "Cavallo da Maneggio" aus dem Jahre 1650 möglichst textgetreu zu übersetzen. Mit dem geschichtlichen Hintergrund, dass Gilberto unter der Regierung der Bourbonen aufgewachsenen ist, dürften die sprachlichen Einflüsse aus dem Spanischen bei ihm sicher eingeflossen sein. Ich denke es legitim, eine Interpretation des Textes in Hinsicht auf das...

Die Schule "Canton" aus "Neugebahnter Tummelplatz" 1692

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Das Buch "Cavallo da Maneggio" von Giovanni Galiberto, herausgegeben 1650 in Wien in italienischer Sprache, wurde 1692 von Matthäum Drümmern von Papenbach ins Deutsche übersetzt. Dort wird die Schule "Canton" beschrieben, die von den grossen Meistern der Reitkunst nach Galiberto keine Erwähnung findet. Was ist das für eine Schule? Wieso gibt es sie nicht mehr? Bevor ich diesen Fragen im nächsten Artikel des Blogs auf den Grund gehe, gebe ich im folgenden das Kapitel der Schule "Canton" aus dem Buch "Neugebahnter Tummelplatz und eröffnete Reitschul" wieder. Vom Canton oder Winkel Es ist zu wissen, dass die Schul des Winckels sehr schön, und grosses Nutzens ist, dem Pferd seine Kräfften und Güte zuerhalten, es auch desto eher und leichter zuzureiten und zurichten. Doch finden sich wenig, die dise Schul recht verstehen, und fället einem sehr schwer, der sie nit kann, denn er wird sich die Ellenbogen und Knie, an der Mauer übel zerstoss...

Die Person

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Eines der wenigen Lehrbücher über Pferdeausbildung aus der früheren Geschichte ist „Cavallo da Maneggio“ von Giovanni Battista Conte di Galiberto. Es erschien kurz nach Beendigung des 30 jährigen Krieges in Wien und somit ca. 100 Jahre vor der Blütezeit des Barock. Um den Inhalt von Lehrbüchern verstehen oder gar bewerten zu können ist es von Vorteil, wenn nicht sogar notwendig, den geschichtlichen Hintergrund und die Lebensumstände des Autors zu kennen. Giovanni Battista Conte di Galiberto stammte aus neapolitanischem Adel und lebte schätzungsweise von 1610 bis 1680. Er kam somit aus der Ur-Stätte der Reiterei nach der italienischen Schule, die ca. 100 Jahre zuvor von Fredirigo Grisone in Form der ersten Reitakademie in Neapel begründet worden ist. Galiberto diente als Obrist der Dragoner unter Ferdinand II. (1578-1637) welcher abstammend von der Famile der Habsburger, als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches zu seiner Zeit über Italien und Spanien herrschte. Italien wurde ...