Die Schule "Canton" aus "Neugebahnter Tummelplatz" 1692
Das Buch "Cavallo da Maneggio" von Giovanni Galiberto, herausgegeben 1650 in Wien in italienischer Sprache, wurde 1692 von Matthäum Drümmern von Papenbach ins Deutsche übersetzt.
Dort wird die Schule "Canton" beschrieben, die von den grossen Meistern der Reitkunst nach Galiberto keine Erwähnung findet. Was ist das für eine Schule? Wieso gibt es sie nicht mehr?
Bevor ich diesen Fragen im nächsten Artikel des Blogs auf den Grund gehe, gebe ich im folgenden das Kapitel der Schule "Canton" aus dem Buch "Neugebahnter Tummelplatz und eröffnete Reitschul" wieder.
Vom Canton oder Winkel
Es ist zu wissen, dass die Schul des Winckels sehr schön, und grosses Nutzens ist, dem Pferd seine Kräfften und Güte zuerhalten, es auch desto eher und leichter zuzureiten und zurichten.
Doch finden sich wenig, die dise Schul recht verstehen, und fället einem sehr schwer, der sie nit kann, denn er wird sich die Ellenbogen und Knie, an der Mauer übel zerstossen.
Dahero ist vonnöthen, dass der alles lerne, welcher ein vollkommener und kunsterfahrener Reiter sein will.
Die Ursach aber, warum ein Pferd der Gestalt bald unterwiesen, und recht zugeritten wird, ist, wann man es gehörter Massen im Winckel reitet, es sich bald gibet, und mit grossem Gehorsamb beisammen bleibet, Stärke fasset, den Hals gewölbet oder herbei krümmet, den Kopf stät träget, das Kreuz recht stellet, die Wendung ansihet, wird gutes Mauls, schränket die Schenkel und Füsse, wird geduldig und guten Willens, und fasset dann nebst diser alle andere Arten der Schulen.
Und beschicht auff solche Weise: Das Pferd machet man in einem Winkel zwischen zwei Mauern gerad mit dem Kopf und Leib fpaffegiren oder spazieren, und wenn es mit dem Kopf in den Winkel kommet, alsdann solle man den inwendigen Strang des Nasbandes anziehen, und auch den Schenkel inwendig bey denen Sattelgurten anlegen, solcher Gestalt wird das Pferd sich mit dem Hals wenden, und den Kreis ansehen, die Schenkel und die Füsse schränken, auch eher und ohne besondere Mühe sich richten lassen.
Wenn es nun also im Winkel wohl spazieret, kann man es mit der Zeit traben, und galoppieren machen, auch in Corvetten, und allen anderen Luftsprüngen reiten.
Ist auch kein Wunder, dass gar wenige diese Schule recht zu machen wissen, denn sie erfordert grosse Geduld und Geradigkeit.
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